German 

 

 

God's Call to the Chinese Church to Complete the Great Commission


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Die Wiederherstellung der antiken Seidenstraße

Kraft im Sturm - von Bruder Yun

Der Wüstensohn Ein Zeugnis aus Saudi Arabien

Kulturübergreifende (interkulturelle) Verständigung - ein wesentlicher Teil von ‚Zurück nach Jerusalem’

Ein Land im Rampenlicht Indien – das Land der Millionen von Göttern

Drukpa

Gebetsanliegen

 

 

Gottes Ruf an die chinesische

Kirche, den grossen Auftrag zu

erfuellen.

 

 Geschichtlicher Ueberblick

  

Was ist „Zurueck nach Jerusalem“?

Die Zurueck nach Jerusalem Vision ist eine Bewegung, fuer die tausende chinesischer Christen bereit sind zu sterben.

Viele Menschen, die erstmals von Zurueck nach Jerusalem hoeren, missinterpretieren den Namen der Bewegung so, als ob die chinesische Kirche Jerusalem evangelisieren wolle.

Man muss verstehen, dass Zurueck nach Jerusalem keineswegs bedeutet, dass die Chinesen mit dem Evangelium zurueck nach Jerusalem gehen wollen. Die Vision beinhaltet weit mehr als das.

Die Zurueck nach Jerusalem Vision ist eine Herausforderung fuer die chinesischen Hauskirchen. Wir beten taeglich darueber, traeumen von ihr, reden ueber sie zum Fruehstueck, beim Mittagessen und Abendbrot. Die Zurueck nach Jerusalem Vision ist nicht irgendeine kleine, alltaegliche Angelegenheit fuer uns, sondern die treibende Kraft unserer Leben und Dienste. Viele empfinden, dass die Vision Gottes ultimativer Ruf und Bestimmung fuer die chinesische Gemeinde ist; ja der eigentliche Grund ihres Bestehens.

Zurueck nach Jerusalem ist nicht irgendeine Art Endzeittheorie. Wir haben keine Plaene, nach Jerusalem zu stuermen. Vielmehr bezieht sich Zurueck nach Jerusalem auf einen Ruf Gottes fuer die chinesische Kirche, das Evangelium zu predigen und Gemeinschaften von Glaeubigen in allen Laendern, in Staedten, Doerfern sowie ethnischen Gruppen zwischen China und Jerusalem zu gruenden. Diese Vision ist keine kleine Sache, schliesslich liegen innerhalb dieser Nationen die drei groessten geistlichen Festungen der heutigen Welt, die nunmehr durch das Evangelium bezwungen werden sollen: die Giganten Islam, Buddhismus und Hinduismus.

Mehr als 90 % der unerreichten Volksgruppen in der heutigen Welt befinden sich innerhalb des 10/40-Fensters – mehr als 5100 Staemme und Sprachgruppen die nur wenig oder keinen Zugang zum Evangelium haben. Die fuenfzig am wenigsten evangelisierten Laender mit den wenigsten Christen befinden sich ausnahmslos in dieser Region.

                     
Diese Karte zeigt das 10/40-Fenster. Innerhalb der roten Linien leben mehr als 90 % der verbleibenden unerreichten Volksgruppen und fuenfzig der am wenigsten evangelisierten Laender der Welt. Diese Laender sind das Ziel der Zurueck nach Jerusalem Bewegung.

 

 Wenn sie diese Zeilen lesen, denken sie bitte daran, dass die Zurueck nach Jerusalem Bewegung kein verruecktes Hirngespinst einiger fanatischer Christen ist, das entweder geschieht oder auch nicht. Zurueck nach Jerusalem ist vielmehr etwas, das bereits am geschehen ist! Zurzeit gibt es schon einige hundert chinesische Missionare, die ausserhalb Chinas im Nahen Osten, Nordafrika, Zentralasien, auf dem indischen Subkontinent und in Suedostasien arbeiten. Tausende mehr sind in Ausbildung, lernen Sprachen wie Arabisch und Englisch, was gute Anwendung auf dem Missionsfeld finden wird. 

Im Maerz 2000 verliess ein Team von sechsunddreissig chinesischen Missionaren China  in Richtung eines buddhistischen Nachbarlandes. Sie waren die erste Gruppe von Zurueck nach Jerusalem Missionaren, die Erstlingsfruechte einer kommenden grossen Flut. Nur wenige Menschen wussten von diesem Ereignis, aber ihr Auszug war das Ergebnis jahrelangen Betens und Planens. An jenem Tage wurde China wieder ein aktiver Teilnehmer an weltweiter Mission.

Waehrend der Ausbildung und Vorbereitung dieser sechsunddreissig Pioniere war jeder von ihnen gefragt, sein Zeugnis zu geben. Viele Traenen flossen, als sie ihre Geschichten erzaehlten. Jeder von ihnen hatte viel fuer das Evangelium in China geopfert. Die meisten waren wegen ihres Zeugnisses fuer Jesus Christus verhaftet, ins Gefaengnis gesperrt, verpruegelt und gefoltert worden. Alle hatten extreme Haerte mitgemacht: Trennung von der Familie, Hunger, schlaflose Naechte und Gefahren von allen Seiten.

Trotz schlimmsten Widerstandes predigten diese sechsunddreissig Hauskirchenmissionare jahrelang treu das Evangelium in ganz China, gruendeten Gemeinden und sahen in jedem Monat ihres Dienstes mehr von der Kraft Gottes, als die meisten Christen waehrend ihres ganzen Lebens.

Je mehr sich die Zurueck nach Jerusalem Vision entfaltet, desto mehr wird man von Berichten hoeren, dass Muslime, Hindus und Buddhisten an Orten zu Christus finden, wo das Evangelium lange Muehe hatte, Fuss zu fassen. Wenn dies geschieht, seien sie nicht erstaunt ueber die chinesischen Christen. Wir sind lediglich Suender, durch Gnade errettet und jeder Beachtung unwuerdig. Seien sie vielmehr ueber die Weisheit und offenkundige Schoenheit von Gottes Plan erstaunt. 

 „Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist staerker, als die Menschen sind.“ 1. Korinther 1,25

Wir hoffen, sie werden durch die Zurueck nach Jerusalem Vision ermutigt und herausgefordert, sowie zum Gebet und zur Beteiligung an der Erfuellung des grossen Auftrages in diesen letzten Tagen bereit, bis

„das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus gekommen ist, und er herrschen wird in alle Ewigkeit.“ Offenbarung 11,15

  

Einfuehrung in die Geschichte von Zurueck nach Jerusalem

Die Vision von Zurueck nach Jerusalem ist keine neue Vision. Ende der 1920er Jahre wurde sie zuerst  einer chinesischen Gemeinde gegeben, die sich die „Jesus Familie“ nannte. Spaeter, in den 1930er und vierziger Jahren bekamen verschiedene andere Gruppierungen dieselbe Vision. Es ist eine Vision von Evangelisation in den groessten noch unerreichten Nationen der Erde.

In dem Teil der Geschichte, der hier weitergegeben wird, untersuchen wir einige der faszinierendsten Ereignisse dieser fruehen Pioniere bei ihrem Versuch, das Evangelium zu Fuss durch die islamische Welt zurueck nach Jerusalem zu bringen. Wir werden sehen, wie unterschiedliche Gruppierungen und Personen auf diese Vision eingingen und wie Gott in ihr Leben eingriff um sich selbst zu verherrlichen. Wir werden lesen wie es diesen treuen Glaeubigen erging, auch von dem Leiden und der Verfolgung, die manche erlitten.

 

Die Wurzeln der Zurueck nach Jerusalem Bewegung

„Aber ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judaea und Samarien und bis an das Ende der Erde“. Apg. 1,8

Als wir in China diesen Satz lasen, wussten wir nicht, was „bis an das Ende der Erde“ bedeutet. So, wie das in der Schrift formuliert ist, klingt das beinahe, als sei die Erde flach, und als sei es moeglich fuer die Glaeubigen, das „Ende“ der Erde zu erreichen, bei dem die Erde dann ploetzlich steil in den Weltraum abfaellt. Wir beteten und meditierten ueber diesen Versen und baten Gott, uns zu zeigen, was Er damit meinte.

Allmaehlich hat uns Gott das Verstaendnis geschenkt, dass sich dieser Text auf die geographische Ausbreitung des Evangeliums in der ganzen Welt bezog. Als Jesus zuerst diese Verheissung aussprach, stand er auf dem Oelberg, gerade ausserhalb von Jerusalem (siehe Apg. 1,12). Der Berg liegt an der Ostseite der Altstadt, und der mittlere Gipfel war ungefaehr 60 Meter (200 Fuss) hoeher als der Tempelbezirk in Jerusalem. Als Jesus diese Worte in Apg. 1,8 zu seinen Juengern sprach, blickte er herab auf die Stadt, und aus dieser Perspektive beschrieben seine Worte ein normales Fortschreiten in der Ausbreitung des Evangeliums:  „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem“ (in der Stadt unterhalb des Ortes, wo sie standen), „in ganz Judaea“ (der Provinz westlich und nordwestlich von Jerusalem), „Samarien“ (der Provinz noerdlich von Judaea), „und bis an das Ende der Erde“.

Koennte es sein, dass Jesus seinen Juengern zeigte, dass das Feuer des Evangeliums anfangen wuerde zu brennen in Jerusalem, bevor es sich ausbreiten wuerde in die Landstriche westlich und noerdlich der Stadt, weiter in die Gebiete, die an die heidnische Welt angrenzten, und dann weiter in die Laender, wo Gottes Name nicht bekannt war?

Gott half der Kirche, das Evangelium zu den Heiden zu bringen. Sogar der geographische Ort der Stadt Jerusalem war perfekt gewaehlt an der Wegkreuzung zwischen Europa, Asien und Afrika.

„So spricht Gott der Herr: Das ist Jerusalem, das ich mitten unter die Heiden gesetzt habe und unter die Laender ringsumher!“ Hes. 5,5

Die Apostelgeschichte beschreibt genau den Weg, wie sich das Evangelium verbreitet hat. Nachdem der Heilige Geist mit grosser Macht auf die Glaeubigen fiel, erhob Petrus seine Stimme und sprach zu der Menge:

“Ihr Juden, liebe Maenner, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt...“ Apg. 2,14. Der Heilige Geist salbte Petrus mit einer solchen Autoritaet, dass „die nun sein Wort annahmen, ... sich taufen [liessen], und an diesem Tage wurden hinzugefuegt etwa dreitausend Menschen“. Apg. 2,41

Was fuer ein wunderbarer Moment in der Geschichte! Das herrliche Evangelium von Jesus Christus ging jetzt gerade seinen ersten Schritt auf seiner langen und gesegneten Reise durch die ganze Welt. Genau so wie sich alle Eltern wuenschen, dabei zu sein, wenn ihr Kind die ersten Schritte geht, schauten jetzt sicherlich auch alle Engel zu und der Himmel stand still. Der Startschuss fuer die Kirche brachte Leben und Rettung fuer 3.000 Menschen am allerersten Tag. Im scharfen Kontrast dazu steht die Einfuehrung des alttestamentlichen Gesetzes, die  am ersten Tag zum Tod von 3.000 Menschen gefuehrt hatte 2. Mose 32, 27-28.

Diejenigen, die angefangen hatten, diesem Gebot des Herrn zu gehorchen, machten eine sehr gute Arbeit bei Phase eins: Jerusalem. Bald klagte der Hohepriester sogar die Nachfolger Jesu an:

„Und seht, ihr habt Jerusalem erfuellt mit eurer Lehre...“ Apg. 5,28. Es dauerte nur wenige Wochen, schreibt die Bibel, „und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Juenger wurde sehr gross in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.“ Apg. 6,7

Es scheint eine unglueckliche Eigenschaft vieler Christen zu sein, dass wir dazu neigen nachzulassen, wenn die Dinge gut laufen, uns bequem einzurichten und uns auf unseren bisherigen Erfolgen ausruhen. Das Evangelium hatte bereits Jerusalem gesaettigt, aber die Juenger vergassen offenbar nach und nach die weiteren Phasen des Missionsbefehls. Um ihnen zu helfen, sich daran zu erinnern, brachte der Herr eine Verfolgung! Am selben Tag, als Stephanus zum ersten Maertyrer der Kirche wurde,

„erhob sich ... eine grosse Verfolgung ueber die Gemeinde in Jerusalem; da zerstreuten sich alle in die Laender Judaea und Samarien, ausser den Aposteln“. Apg. 8,1

Philippus wurde maechtig gebraucht in Samarien, mit vielen Wundern und Zeichen, die seinen Dienst begleiteten, und viele Menschen kamen zum Glauben an den kuerzlich auferstandenen Christus. Bald darauf entschied Gott, sich selbst einem der fuehrenden Verfolger der Kirche zu offenbaren, einem Mann namens Saulus. Die vierte Phase in Gottes Plan der Errettung der Welt wuerde umgesetzt werden durch den Einsatz dieses Mannes, der bald als Apostel Paulus bekannt werden sollte. Sofort nachdem er auf dramatische Weise Jesus begegnet war auf dem Weg nach Damaskus (der Hauptstadt von Syrien), sagte der Herr ueber Paulus:

„Dieser ist mein auserwaehltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Koenige und vor das Volk Israel“. Apg. 9,15

Der Rest der Apostelgeschichte beschreibt, wie das Feuer des Evangeliums sich ausbreitete durch die Roemische Welt, nach Rom selbst und in viele Gebiete entlang der Mittelmeerkueste. Der Herr hat der Kirche liebevoll aber entschlossen geholfen, sein Gebot zu halten, und innerhalb kurzer Zeit sagten die Juden ueber Paulus und Silas:

„Diese, die den ganzen Weltkreis erregen, sind jetzt auch hierher gekommen...“ Apg. 17,6

Die Worte Jesu in Lukas 24, 46-48 wurden erfuellt:

„So steht’s geschrieben, dass Christus leiden wird und auferstehen von den Toten am dritten Tage, und dass gepredigt wird in seinem Namen Busse zur Vergebung der Suenden unter allen Voelkern. Fangt an in Jerusalem, und seid dafuer Zeugen.“

Als wir darueber meditierten, wie sich das Evangelium in der Welt ausbreitete, sahen wir, dass – generell gesprochen – das Feuer sich in westliche Richtung weiterbewegte. Von Suedeuropa breitete es sich aus nach Zentral-, Nord- und Westeuropa. Das Feuer blies auch in die Laender am Sueden des Mittelmeers in Nordafrika, und brachte einige der grossen Leiter der fruehen Kirche hervor, so wie Augustinus (aus dem heutigen Algerien) und Tertullian (ca. 155-220 n.Chr.), der folgende Aussage zu den politischen Leitern seiner Zeit machte, die unter chinesischen Hauskirchenleitern heute kursiert:

„Fahrt fort in eurem Eifer, ihr edlen Herrscher, ihr werdet mehr Ansehen bei dem Volk geniessen, wenn ihr die Christen nach dem Wunsch des Volkes opfert, uns toetet und foltert, uns verdammt und uns zu Staub zermalmt; eure Ungerechtigkeit ist der Beweis fuer unsere Unschuld...  Noch kann eure Grausamkeit, wie extrem auch immer, euch irgendetwas nutzen; vielmehr ist sie eine Versuchung fuer uns. Je oefter wir von euch niedergemaeht werden, desto groesser werden wir an Zahl; das Blut der Christen ist der Same.“ [1]

Wir in China verstehen, was Tertullian meinte. Die Regierung in China sieht die Hauskirchen mittlerweile genauso, wie die Aegypter die Israeliten in der Gefangenschaft gesehen haben:

„Aber je mehr sie das Volk bedrueckten, desto staerker mehrte es sich und breitete sich aus. Und es kam sie ein Grauen an vor Israel.“ 2.Mose 1,12

Wir haben zahllose Zeugnisse von kraftvollen Erweckungen, die ausgebrochen sind an Orten, wo Christen ihr Blut vergossen und viel Elend fuer das Evangelium erduldet haben. In einigen schwierigen Gegenden wo es viel Widerstand gegen das

Evangelium gibt, scheint es als muessen Gottes Kinder zuerst leiden und Blut vergiessen, bevor die Kraft der daemonischen Maechte gebrochen wird und Menschen das Licht des Evangeliums sehen koennen.

Viele Jahrhunderte spaeter, als Abenteurer und Missionare anfingen, die Welt durch Schiffe zu erkunden, breitete sich das Evangelium aus nach Zentral- und Suedafrika, nach Amerika, zu hunderten von Inseln im Suedpazifik, nach Australien, Neuseeland und Teilen von Asien am Pazifischen Ozean. Ungefaehr am Anfang des 20. Jahrhunderts brach die Erweckung aus an Orten wie Korea, den Philippinen, Teilen von Ostchina und Suedost-Asien.

Natuerlich gab es auch viele Ausnahmen zu diesem Muster. Dem Apostel Thomas wird es zugeschrieben, das Evangelium nach Indien gebracht zu haben, und zwar nur wenige Jahre, nachdem er die Haende des auferstandenen Erloesers beruehrt hatte. Aber generell gesprochen, kann man beobachten, wie die Flamme des Evangeliums sich in westliche Richtung bewegt hat.

Vor ungefaehr 30 Jahren begann eine echte und anhaltende Erweckung unter den chinesischen Hauskirchen. Wir befanden uns selbst an vorderster Front des weltweiten Feuers von Gottes Segen, und viele zehn Millionen Menschen sind zum Glauben an Christus gekommen.

Nachdem Gott unsere Vision fuer die Zurueck nach Jerusalem Bewegung erneuert hat, kamen wir zu der Entdeckung, dass praktisch alle der verbleibenden nicht evangelisierten und unerreichten Gebiete der Welt, die noch nie mit dem Evangelium durchdrungen worden waren, westlich und suedlich von China gelegen waren. Wir glauben, dass Gott uns eine ernste Verantwortung gegeben hat, das Feuer von Seinem Altar zu nehmen und den grossen Missionsbefehl zu erfuellen, indem wir Gottes Koenigreich aufrichten in allen verbleibenden Laendern und Volksgruppen in Asien, im Mittleren Osten, und im Islamischen Nordafrika. Wenn dies geschehen ist – so verstehen wir die Schrift – wird Jesus wiederkommen, um Seine Braut abzuholen.

„Danach werden wir, die wir leben und uebrig bleiben, zugleich mit ihnen entrueckt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So troestet euch mit diesen Worten untereinander.“ 1. Thess. 4, 17.18

Wir glauben, der von Jerusalem aus entfernteste Punkt in der Welt, an den sich das Evangelium bewegen kann, ist erreicht, wenn das Evangelium einmal den ganzen Globus umrundet hat und bis dahin zurueckkehrt, wo es hergekommen ist - Jerusalem! Wenn das Feuer des Evangeliums seine Umrundung um die Erde vollendet hat, wird der Herr Jesus wiederkommen!

„Denn die Erde wird voll werden von Erkenntnis der Ehre des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt.“ Habakuk 2,14.

So ist der Name Zurueck nach Jerusalem entstanden, naemlich um die missionarische Vision der Kirche in China zu erklaeren.

Wir haben jetzt einige Aspekte der biblischen Basis der Zurueck nach Jerusalem Bewegung betrachtet, sowie unser Verstaendnis darueber, wie sich das Evangelium im Laufe der Geschichte ueber die Welt verbreitet hat. Lasst uns nun im Rueckblick den Einsatz einiger frueher Pioniere der Zurueck nach Jerusalem Bewegung betrachten.

Die Zurueck nach Jerusalem Bewegung 

„Der Herr hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Voelker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes“ Jes. 52,10

Ein erster Anstoss zur Vision der Zurueck nach Jerusalem Bewegung kam, als Gott einen deutlichen Ruf an eine kleine Gruppe von Christen aussprach, die in den fruehen 1940er Jahren am „Northwest Bible Institute“ der Provinz Shaanxi studierten.

Schon mehrere Jahre waren die Studenten der Schule beteiligt an evangelistischen Einsaetzen unter Muslimen, Buddhisten und verstreut lebenden Chinesen in den Provinzen Gansu, Qinghai und Ningxia, bevor der Herr einige von ihnen spezifisch berief, sich selbst vorzubereiten fuer die Vision, das Evangelium ausserhalb von Chinas Grenzen in die islamische Welt zu tragen, den ganzen Weg zurueck nach Jerusalem.

Der Gruender und Leiter dieser Gruppe war Pastor Mark Ma, der aus der historischen Stadt Kaifeng in der Provinz Henan stammte. Waehrend er Vizepraesident des Northwest Bible Institute war, hatte Mark Ma ein Gespraech mit dem Herrn, das sein Leben fuer immer veraenderte, und das ihm das Momentum verlieh, das er fuer seine Pionierarbeit in die grosse unerreichte muslimische Welt hinein brauchte.

Die Ereignisse, die zu der Gruendung der Zurueck nach Jerusalem Bewegung fuehrten, fanden in der ruhigen, entspannten Atmosphaere der Bibelschule in Fengxiang in der Provinz Shaanxi in Zentralchina in den fruehen 1940er Jahren statt. Das Northwest Bible Institute war eine sehr schoene Anlage, die von dichten Bambuspflanzungen umgeben war sowie von Studentenwohnheimen und Haeusern von Missionaren. Eine Treppe fuehrte herab zu einem Gemuesegarten, von wo aus man eine Aussicht auf die Stadtmauer von Fengxiang hatte.

Die Japanische Invasion in China war die direkte Ursache fuer die Gruendung des Northwest Bible Institutes. James Hudson Taylor II (der Enkel des weltbekannten Pioniers) und seine Frau Alice wurden gezwungen, aufgrund der Dauerbombardierung durch feindliche Flugzeuge ihr Missionsfeld in der Provinz Henan zu verlassen.

Sie reisten westlich in die Provinz Shaanxi, wo sie zunehmend den Wunsch verspuerten, eine Bibelschule zu eroeffnen. Sie hatten kein Grundstueck, um ihre Arbeit beginnen zu koennen, aber sie beteten viel um Gottes Versorgung. Das Gebet wurde erhoert. Die China Inland Mission bot ihnen ihr Gelaende nahe der Stadt Fengxiang an. Im ersten Jahr kamen nur acht Studenten zu einem dreimonatigen Kurs. James H. Taylor II wurde zum Rektor der Schule ernannt, und Pastor Mark Ma wurde spaeter stellvertretender Rektor.

Obwohl die Schule erst seit zwei Jahren eroeffnet war, erwies sich das Gebetstreffen am Ostermorgen 1943 als Ausgangspunkt fuer eine Kette von Ereignissen, die das Leben vieler drastisch veraenderte. Die Auswirkungen von diesem Gebetstreffen, koennte man sagen, beeinflussen die chinesische Kirche bis auf den heutigen Tag...

Auf dem harten Boden des Innenhofes, unter den hohen Baeumen, deren dicke Aeste mit ihren Blaettern einen Regenschutz ueber den Koepfen boten, war eine Karte von China mit allen Provinzen in weissem Kalk eingezeichnet.  Die Studenten standen im Hof und sahen sich die Karte an. Sie hatten wiederholt von der Not gehoert, die in den grossen Provinzen im Norden und im Westen herrschte...  Der Himmel wurde im Osten hell, und duenne Lichtstrahlen durchbrachen das Grau der Morgendaemmerung. Es war sehr still im Innenhof, und die mit Kalk gezeichneten Umrisse der Karte auf dem Boden stachen scharf heraus. Der feierlich-ernste Moment war gekommen, der Moment, der ein beinahe atemberaubendes Schweigen mit sich brachte. „Jetzt sollen diejenigen, die eine Berufung vom Herrn erhalten haben, zur Karte gehen und sich auf die Provinz stellen, zu der der Herr sie senden will“... Es kam eine Unruhe auf unter den Studenten. Mit Stoff besohlte Fuesse bewegten sich geraeuschlos, als einer, dann der naechste, ueber den Innenhof zu der Karte lief. Und als die Sonne aufging ueber dem entfernten Horizont, sah man acht Leute ruhig auf dem Flecken der Karte stehen, der mit dem Wort XINJIANG bezeichnet war.[2]

Die grosse nordwestliche Region von China heisst Xinjiang, ein chinesischer Name fuer „Neue Herrschaft“. Der urspruengliche Name fuer dieses Gebiet war Ost-Turkestan. Xinjiang war und ist bis heute bewohnt von Millionen von Muslimen, von denen die Mehrheit Sprachen aus der Familie der Turksprachen spricht, wie Uigurisch, Kasachisch, Kirgisisch und Usbekisch. Andere muslimische Gruppen die sich dort befinden, sind Tadschiken, Tataren und die chinesischsprachigen Hui. Auch eine grosse Anzahl nomadischer tibetischer Buddhisten bewohnt Xinjiang.

 

Mark Ma und die Gruendung der Zurueck nach Jerusalem Bewegung

Mark Ma wurde in der Provinz Henan geboren. Er war der einzige Sohn christlicher Eltern und wurde erzogen in der antiken Stadt Kaifeng, aber er weigerte sich, sein Herz dem Herrn zu oeffnen. Spaeter wurde er Lehrer an einer staatlichen Schule. Erst im Jahre 1937 bekehrte er sich zu Christus, als der tragische Tod seines kleinen Sohnes sein Herz brach und ihn in Trauer und Busse zum Fusse des Kreuzes brachte. Er verliess seine saekulare Arbeit und begann eine Ausbildung an der Free Methodist Bible School. Als James H. Taylor mit seiner Frau nach Shaanxi floh, begleiteten ihn Mark Ma, seine Frau und seine zahlreichen Kinder. Er wurde ein Gruendungsmitglied des Northwest Bible Institute.

Mark Ma zeichnete auf, wie er berufen worden war, das Evangelium nach Xinjiang zu bringen: [3]

„Am Abend des 25. Novembers 1942, als ich im Gebet war, sagte der Herr zu mir: ‚Die Tuer nach Xinjiang ist schon offen. Gehe hinein und predige das

Evangelium.’ Als diese Stimme mich erreichte, zitterte ich, ich hatte Angst und wollte gar nicht gehorchen, weil ich mich nicht an ein einziges Mal in der Vergangenheit erinnerte, dass ich fuer Xinjiang gebetet hatte; ausserdem war es ein Ort, zu dem ich gar nicht hingehen wollte. Daher betete ich einfach fuer diese Angelegenheit, und erzaehlte es noch nicht einmal meiner Frau.

Nach genau fuenf Monaten des Gebetes, am Ostermorgen des 25. April 1943, als zwei andere Arbeiter und ich am Ufer des Wei Flusses zusammen beteten, erzaehlte ich ihnen von meiner Berufung nach Xinjiang, und eine meiner Geschwister sagte, vor 10 Jahren habe sie den selben Ruf erhalten. Ich dankte Gott, dass er bereits eine Mitarbeiterin vorbereitet hatte. Als ich zur Schule zurueckkehrte, erfuhr ich, dass am selben Ostersonntag in dem Gottesdienst beim Sonnenaufgang acht Studenten ebenfalls einen Auftrag fuer Xinjiang bekommen hatten. Mit Freude versammelte ich alle zu einem Treffen, und wir planten, ein regelmaessiges Gebetstreffen zu veranstalten. Mit Erlaubnis der Lehrer entschieden wir uns fuer Dienstagabend als die Zeit fuer unser woechentliches Gebetstreffen. Am Abend des 4. Mai hielten wir das erste Gebetstreffen ab, und 23 Leute waren dabei... Am 11. Mai erhielten wir die erste Spende fuer unsere Mission in Hoehe von 50 US$.

Nach und nach ergab sich die Frage, wie wir unsere Gruppe nennen sollten.... Am Morgen des 23. Mai, als ich fastete und betete ueber den Namen der ‚Vereinigung fuer den Herrn’, offenbarte der Herr mir einen Bibelvers im Herzen,

„Und es wird gepredigt werden dies Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis fuer alle Voelker, und dann wird das Ende kommen.“ (Matth. 24,14).

Ich sagte: „Oh Herr, was bedeutet das?“ „Es bedeutet folgendes: ich will nicht nur, dass die chinesische Kirche die Verantwortung uebernimmt, das Evangelium nach Xinjiang zu bringen, sondern ich moechte den Missionsbefehl zur Erfuellung bringen, dass das Evangelium in aller Welt gepredigt wird.“ Ich fragte, „Aber Herr, ist das Evangelium nicht schon in aller Welt gepredigt worden?“

Der Herr sagte, „Schon von Anfang an, seit Pfingsten, hat sich das Evangelium hauptsaechlich in westliche Richtung ausgebreitet; von Jerusalem nach Antiochien nach ganz Europa; von Europa nach Amerika und dann in Richtung Osten; vom Suedosten Chinas zum Nordwesten; bis heute kann man sagen, dass es von der Provinz Gansu aus westwaerts keine fest etablierte Gemeinde gibt. Du darfst von Gansu aus westwaerts gehen und das Evangelium den ganzen Weg zurueck nach Jerusalem bringen, wodurch das Licht des

Evangeliums den ganzen dunklen Erdball umrundet haben wird.“ Ich sagte, „Aber Herr, wer sind wir, dass wir solch eine grosse Verantwortung tragen koennen?“. Der Herr antwortete, „Ich moechte meine Kraft durch die zeigen, die selbst keine Kraft haben.“ 

            Ich sagte: „Dieses Gebiet steht unter dem Einfluss des Islam, und die Moslems sind die Gruppe in der Welt,             die am schwierigsten mit dem Evangelium zu erreichen sind.“

Der Herr antwortete: „Das rebellischste Volk sind die Israeliten, das schwierigste Arbeitsfeld ist mein eigenes Volk, die Juden.“ ... Der Herr fuhr fort und sagte, „Auch ihr Chinesen, du selbst mit eingeschlossen, seid sehr verhaertet, aber Ihr wurdet auch erobert durch das Evangelium“.

Ich fragte: „Oh Herr, wenn dem nicht so ist, dass ihre Herzen besonders verhaertet sind, warum haben dann die Missionare von Europa und Amerika so viele Kirchen in China errichtet, aber sind noch immer nicht in der Lage, die Tuer nach Westasien zu oeffnen?“

Der Herr antwortete: „Der Grund ist nicht, weil ihre Herzen so hart sind. Sondern ich habe fuer die Chinesische Kirche einen Anteil am Erbe aufbewahrt. Waert Ihr sonst nicht sehr arm, wenn ich zurueckkomme?“

Als ich den Herrn sagen hoerte, dass er fuer uns einen Anteil am Erbe bereithielt, floss mein Herz ueber mit Dank und mein Mund sprach viele Hallelujahs! Ich hoerte auf, mit dem Herrn zu diskutieren.“

Am 23. Mai 1943 erzaehlte Mark Ma diese Offenbarung seiner Gebetsgruppe. Sie entschieden sich, dass sie einen Namen fuer ihre Gruppe brauchten, und der Name „Bian Chuan Fuyin Tuan“ wurde angenommen. Dieser chinesische Name heisst woertlich: „Ueberall[Bian] das Evangelium[Fuyin] predigende[Chuan] Vereinigung[Tuan]“. Dies ist der Name, unter dem diese kleine Gruppe von glaubenserfuellten Maennern und Frauen in China bis heute bekannt sind, aber die Missionare einigten sich, dass der Englische Name fuer diese Bewegung lauten sollte: The Back to Jerusalem Evangelistic Banddie Evangelistische Zurueck nach Jerusalem Bewegung.

Es war ein Grundsatz der Leiter, dass sie in keiner Weise um ihre Finanzen baten, sondern sie beteten und vertrauten Gott, dass er fuer all ihre finanziellen Beduerfnisse sorge. Spenden kamen aus ganz China von chinesischen Glaeubigen, deren Herzen beruehrt worden waren von dieser Vision, und denen es ein Anliegen wurde, daran teilzuhaben. Helene Hayes Taylor, die Frau von James Hudson Taylor II, schrieb dazu:  

„Auf bemerkenswerte Weise kam Geld beinahe gaenzlich aus chinesischen Quellen zu ihnen, und sie hatten den Eindruck, dass sie das aufbrauchen mussten, was hereinkam und Gott vertrauen sollten, mehr zu senden. Chinesische Christen aus vielen Orten hoerten von diesem Werk und sandten grosszuegige Spenden. Es war offensichtlich, dass diese Bewegung von Gott inspiriert war“.[4]

Trotz der Dringlichkeit des Rufes wurden erst im Jahre 1944 drei Frauen und zwei Maenner nach Lanzhou in der Provinz Gansu fuer einen kurzen Dienst ausgesendet. 1945 sandten sie zwei Maenner, um das Evangelium unter den Hui Muslims in Ningxia zu predigen. 1946 berief der Herr zwei Maenner, Mekka Chao und Timothaeus Tai, fuer eine laengere Zeit des Dienstes in den Nordwesten nach Xinjiang zu gehen. 

Jetzt, da der Ruf konsequenter befolgt wurde, wurde am 15. Mai 1946 eine Art Business Meeting abgehalten, bei der eine Satzung angenommen und Leiter gewaehlt wurden. Damit gab sich die Zurueck nach Jerusalem Bewegung eine formale Struktur. Einige der Auszuege der Satzung lauten wie folgt:

„Dies ist eine ueberkonfessionelle / ueberdenominationelle, aber nicht anti-denominationelle Gruppe von Arbeitern, die die ganze Bibel als Gottes Offenbarung akzeptiert. Ihr Ziel ist es, Mitglieder im Leib Christi zur Gemeinschaft zusammenzufuehren, um dadurch Staerke und Entschlossenheit zu erlangen fuer die Predigt des Evangeliums, um bereit zu sein fuer die Wiederkunft des Herrn. Die Vereinigung hat zwei Arbeitsbereiche:

Erstens, die Pionier-Arbeit:

In den sieben Provinzen an der Grenze von China: Xinjian, Innere Mongolei, Tibet, Xikang (tibetische Gegenden des heutigen westlichen Sichuan), Qinghai, Gansu, Ningxia.

In den sieben Laendern an den Grenzen von Asien: Afghanistan, Iran, Arabien, Irak, Syrien, Tuerkei und Palaestina.

Zweitens:

Neue Kirchen in evangelisierten Gebieten zu gruenden, sowie die bestehenden Kirchen zu begleiten und wieder zu belegen. In noch nicht erschlossenen Gegenden („Pioniergebiete“) planen wir, Kirchen zu gruenden gemaess dem Vorbild der Schrift. An Orten, wo die Kirchen schon bestehen, planen wir, solchen Kirchen zu dienen. Wir wollen allein vom Herrn die finanzielle  Versorgung erwarten. [5] 

Mark Ma wurde stets als Anfuehrer der Zurueck nach Jerusalem Bewegung angesehen. Zusaetzlich zu seiner Verpflichtungen als Vizepraesident des Northwest Bible Institute und seinen vielen Taetigkeiten in Zusammenhang mit evangelistischer Arbeit unternahm er Reisen quer durch China, „um die Kirche zu Gebet und geistlicher Kampffuehrung aufzurufen als Unterstuetzung fuer die Zurueck nach Jerusalem, und um Freiwillige fuer diese grosse Arbeit zu gewinnen.“ [6]

Die folgenden Worte von Mark Ma sind ueberaus aktuell fuer die gegenwaertige Generation von chinesischen Glaeubigen, die jetzt mit geweihten Herzen ans Werk gehen, um den grossen Ruf zu erfuellen:

„Es ist meine Hoffnung, dass unsere chinesische Kirche sich mit Entschlossenheit und Mut dieser grossen Verantwortung stellt und – in der Abhaengigkeit des siegreichen Retters – diese grandiose Aufgabe erfuellt, unser herrliches Erbe in Besitz nimmt und das Evangelium zurueck nach Jerusalem bringt. Dort werden wir stehen auf der Spitze des Berges Zion und unseren Herrn Jesus willkommen heissen, wenn er mit den Wolken in grosser Herrlichkeit herabkommt.“

 

Das Zeugnis von „Mekka“ Chao

„Mekka“ Chao wurde in Linxian in der Provinz Henan im oestlichen Zentral-China geboren. Als er ein Kind war, floh seine Familie in die Provinz Shanxi[7], um einer Hungersnot zu entgehen. In seinem spaeten Teenageralter begann Chao eine persoenliche Beziehung zu Jesus Christus, und sein Leben veraenderte sich fuer immer. Sein Herz war so tief beruehrt von der Liebe Gottes, dass er sich bedingungslos an den Koenig der Koenige hingab, und versprach hinzugehen, wo immer Er ihn hinfuehren wuerde, und zu tun, was auch immer sein Herr von ihm verlangte.

Nur kurze Zeit nach seiner Errettung betete „Mekka“ Chao um Gottes Fuehrung bezueglich seines Lebensweges, als er eine Vision erhielt, in der er ein Stueck Papier sah, das vor seine Augen gehalten wurde mit dem Wort „Mekka“ darauf. Er hatte keine Ahnung, was das Wort bedeutete und fragte seine christlichen Freunde ob sie es wussten, aber keiner konnte ihm weiterhelfen. „Mekka“ Chao proklamierte:

„Es ist nicht noetig fuer Dich, es mir noch mal zu sagen, denn jetzt weiss ich, dass Jesus der wahre Gott ist, der lebendige Gott; ich habe Seine Stimme gehoert, und er hat mir klar den Weg gezeigt, wo ich hingehen sollte.“ [8]

In seinem ersten Jahr als Glaeubiger machte „Mekka“ Chao Erfahrungen mit Gott in aehnlicher Weise wie viele heutige Chinesische Hauskirchenleiter; er tat sehr grundlegend Busse, war voller Eifer im Glauben, und lebte eine intensive geistliche Kampffuehrung.

„Zu diesem Zeitpunkt war mein Eifer gluehend. ... Gott gab mir besondere Kraft im Gebet. Bei jedem Gottesdienst lasen wir nur die Bibel, sangen und beteten. Jedes Mal, wenn ich betete, war der Heilige Geist am Wirken, und ueberfuehrte die Herzen der Leute, so dass sie weinten und ihre Suenden bekannten. ... Dies ging so weiter fuer ein halbes Jahr, aber der Teufel wirkte auch in grosser Kraft – er griff mich von allen Seiten an; besonders, wenn ich betete, manifestierte er seine boese Kraft. Er brachte oft Angsteinfloessende, seltsam aussehende Erscheinungen und Wesen vor mich, so dass ich weniger und weniger betete, bis ich mich schliesslich gar nicht mehr getraute zu beten... Nach und nach fiel ich in Versuchung. Mein geistliches Leben wurde kaelter und kaelter jeden Tag... Ich ging den Weg der Welt, und der Ehrgeiz um Positionen und Gewinn nahm den Platz Gottes in meinem Leben ein.... Das liebende Herz des himmlischen Vaters muss sehr verletzt gewesen sein, aber in meinem Ungehorsam bemerkte ich nicht, wie Sein Herz trauerte.“ [9]

Fuer die naechsten Jahre kaempfte der im Glauben stark angeschlagene „Mekka“ Chao in der chinesischen Armee, sah dem Tod taeglich von Angesicht zu Angesicht gegenueber, und fuehlte sich innerlich erbaermlich. Er wurde im Kampf gefangen und erfuhr als Kriegsgefangener schlimme Folter und grossen Mangel. Waehrend er hinter Gittern sass, rief der Herr seinen verlorenen Sohn liebevoll zu sich zurueck. In seiner kleinen, isolierten Gefaengniszelle begann der Herr, „Mekka“ Chao’s Geist zu erwecken und ihn an alles zu erinnern, von dem er weggelaufen war.... „Ich fragte den Herrn, „Oh Gott, ist dies die Art von Leben, die „Mekka“ bedeutet? Ist dies der Weg, in dem ich wandeln soll?“.

Der Herr antwortete, indem er ihm eine Vision von der Ningxia Provinz zeigte, dem Sitz des Islam in China. In einer anderen Vision sah er eine lange helle Strasse in Richtung Westen, entlang der er reisen sollte. Spaeter sagte er dazu:  

„Gott gedachte meiner und gab mir einen Hoffnungsschimmer, um ein wenig  meine Mutlosigkeit im Gefaengnis zu vertreiben. Er versprach mir, dass ich im Alter von 25 Jahren das Gefaengnis verlassen wuerde, und dass ich im Alter von 27 den Dienst aufnehmen wuerde, zu dem ich berufen war. Und genau so geschah es dann. Im Mai meines 25. Lebensjahres wurde ich aus dem Gefaengnis befreit, und im Juli meines 26. Lebensjahres kam ich als Student an das „Northwest Bible Institute“. In meinem 27. Lebensjahr ging ich auf eine Predigttour zur Provinz Gansu, und im Sommer kam ich zu dem Ort, den ich in der Vision gesehen hatte – zur Provinz Ningxia. Wir muessen uns wahrhaftig auf die Treue Gottes verlassen.“ [10]

 „Mekka“ Chao war jetzt ein zerbrochener junger Mann. Sein Eifer hatte jetzt ein groesseres Fundament als Gegengewicht, und er hungerte danach, Gottes Wort auf tiefgehende und fundierte Weise kennen zu lernen. Er bezeugte:  

„Nachdem ich durch sieben oder acht Jahre von schmerzhaften Tests gegangen war, oftmals Zeiten extremer Schwierigkeiten und Gefahren, war ich zumindest zu einem Stadium von Frieden und Ruhe gelangt. Waere es nicht die grosse Kraft meines himmlischen Vaters gewesen, die mein einziger Schutz war, so haette ich bereits lange davor das Zeitliche gesegnet. Obwohl ich durch die Schwierigkeiten der vergangenen Jahre sehr geschwaecht worden war, so war ich dennoch viel staerker, als zu dem Zeitpunkt, als ich mein zu Hause vor vielen Jahren verlassen hatte, als duenner, gelber, schwacher Vertreter der Menschheit. Hallelujah! Dies war Gottes wunderbarer Schutz ueber Seinem Kind, so dass Er es benutzen koennte im Nordwesten. Ja, Herr, ich bin bereit, dass Du mich gebrauchst, wie Du es willst. Du bist der Toepfer, ich bin der Ton....  Der Herr versteht mich perfekt, ich gehoere Ihm. Ich bin mit einem Preis erkauft, nie wieder wuerde ich meine eigenen Plaene machen.... Er moechte nur, dass ich mich selbst ganz in Seine Hand gebe, um von Ihm benutzt zu werden.“ [11]

Waehrend wir am Northwest Bible Institute studierten, wurde „Mekka“ Chao das Geheimnis seines Namens von Mark Ma offenbart. Ma erklaerte ihm, sein Auftrag, den er vor einigen Jahren erhalten hatte, sei es, westwaerts zu reisen und das Evangelium den Muslimen zu predigen, und weiterzureisen, bis er die Stadt Mekka in Saudi Arabien erreichte. Von der Zeit an legte er seinen chinesischen Namen ab und nannte sich selbst „Mekka“ Chao.

Als Mekka Chao von der Vision erfuhr, die Gott den Leitern der Schule gegeben hatte, das Evangelium zurueck nach Jerusalem zu bringen, war er erstaunt zu hoeren, dass sie genau mit seiner eigenen Berufung uebereinstimmte. Es wird wenig ueberraschen, dass er sich enthusiastisch in die Mission einreihte und einer der ersten Arbeiter der Zurueck nach Jerusalem Bewegung wurde.

Im Maerz 1947 reisten sieben Mitglieder der Zurueck nach Jerusalem Bewegung von der Provinz Gansu nach Xinjiang. Zwei Maenner und fuenf Frauen von der Bibelschule in Fengxiang begannen die lange Reise westwaerts. Ihr Gepaeck war auf eine kleine Tasche fuer jeden begrenzt, und – ein interessantes Gepaeckstueck – fuer jeden ein Waschbecken! In einer Zeitschrift der Zurueck nach Jerusalem Bewegung, die vor dem Reiseantritt des Teams erschien, schrieben sie:

Die Zeit fuer die Arbeit ist gekommen!

Aktive Geistliche Kampffuehrung!

Dies sind Gottes Worte an uns. Er hat uns gezeigt, dass einige bald in den Nordwesten gehen sollen. Also sehen wir, dass es nicht nur seine Botschaft an uns ist, sondern sein Gebot – ein dringliches Gebot, voranzugehen. Es ist eine Botschaft, die Schwert und Blut beinhaltet, aber auch Krone und Gesang. Deshalb veraengstigt dies die Schwachen, aber es bringt das Blut der Starken in Regung.

Preist den Herrn, es gibt schon fuenf Frauen von Fengxiang, die vom Herrn berufen sind, die Seinem Ruf folgen und sich entschieden haben, in den Westen zu reisen im naechsten Maerz (1947). Vielleicht wird bald die Prophetie von Psalm 68,12 erfuellt werden in unserer Mitte,

„Der Herr gibt ein Wort - / der Freudenbotinnen ist eine grosse Schar“.

Weil uns die Gefahren und Schwierigkeiten des Weges vor ihnen bewusst sind, fuerchten wir, dass es nicht ein Weg ist, den junge Frauen normalerweise reisen sollten, aber eine von ihnen hat gesagt: „Vielleicht kommen wir nicht bis dort hin, vielleicht sterben wir auf dem Weg, aber wir sind bereit unser Blut auf der grossen Strasse zum Berg Zion zu vergiessen“. Dies zeigt das Kaliber dieser jungen Missionarinnen. Aber was ist mit den Maennern? Brueder, erwachet!“ [12] 

Eine der fuenf weiblichen Missionarinnen war Ho En Cheng (Grace Ho), die Gott geweiht worden war durch ihre Mutter, als sie ein neugeborenes Baby war. Als kleines Maedchen war sie bereits gut vertraut mit biblischen Geschichten und klebte die Namen der Orte wie Jerusalem, Bethanien und Berg Zion in den Hof der Familie! Nachdem sie die Bibelschule in Tianjin 1937 abgeschlossen hatte, erhielt die 17-jaehrige Ho En Cheng einen klaren Ruf vom Herrn, das Evangelium nach Xinjiang zu bringen, und schliesslich den ganzen Weg zurueck nach Jerusalem....

Sie nahm an einer evangelistischen Veranstaltung teil, und als die Versammlung aufstand zum Beten, erhielt sie eine Vision vom Herrn. Ihre unmittelbare Umgebung verschwand aus ihrem Blickfeld, und es schien als stuende sie alleine in einer grossen, hellen Steppe. In der Entfernung hoerte sie eine Stimme – eine Stimme voll Trauer und Verzweiflung, die schmerzerfuellt um Hilfe schrie. Sie sah auf, aber erblickte niemanden, nur die schreckliche grosse Dunkelheit, aus der die angsterfuellten Laute kamen. Dann, als sie dort hinein blickte, sprach eine weitere Stimme, eine Stimme vom Himmel, tief erfuellt mit Mitleid und Barmherzigkeit. „Die Leute in der Finsternis haben niemanden, der ihnen die Gute Nachricht weitergibt“. Tief bewegt von dem Klang dieser Stimme, kamen ihr Traenen in die Augen, und sie antwortete: „Oh Herr, hier bin ich“. 12

 

Einige der Mitglieder der Zurueck nach Jerusalem Bewegung bei dem Abschied sind auf diesem Bild dargestellt: Von links nach Rechts: Fan Chi Chieh, Lu Teh (Ruth Lu), Wei Suxi, Chang Moxie (Moses Chang), Ho En Cheng (Grace Ho), and Li Chin Chuan.

  

Zurueck zum „Zurueck nach Jerusalem Team I“

Zehn Jahre spaeter, nachdem sie Teil der evangelistischen Zurueck nach Jerusalem Teams geworden war, wurde es zu Ho’s Plan, zunaechst nach Kashgar Stadt (dem westlichsten Punkt Chinas) zu reisen, um die tuerkische und arabische Sprache zu studieren, bevor sie China Richtung Zentralasien und den Mittleren Osten verliess.

Ruth Lu stammte aus Fengqiu in der Provinz Henan. Sie wurde 1940 durch den Herrn errettet und in ihrem Herzen entwickelte sich eine grosse Liebe fuer verlorene Seelen. Schlussendlich besuchte sie das Nordwest Bibel Institut. Sie erinnert sich: 

„Eines Tages, als ich kniend im Gebet war, rief mich der Herr mit Namen, und in einer Vision zeigte er mir den desolaten, mitleiderregenden geistlichen Zustand, in dem sich der Nordwesten Chinas befand. Ich sah eine riesige Schar unerretteter Seelen, die in einem Gebirgstal um Hilfe und Rettung fuer ihr Leben schrieen. Die Stimme des Herrn sprach zu mir: ‚Mein Kind, bist du bereit loszuziehen und sie zu retten? ‘ Als diese Stimme mein Herz durchbohrte, antwortete ich ohne Zoegern: ‚O Herr, deine Magd ist bereit, deinem Willen zu gehorchen‘.“ 13

 Der Ruf, der an diese junge Frau erging, war, nach Kashgar in Xinjiang zu reisen, um dort Sprachen zu erlernen, was ihr helfen wuerde, nach Afghanistan hineinzukommen. 

Li Chin Chuan wurde in ein muslimisches Elternhaus hinein geboren. Als sie noch ein kleines Maedchen war, starben ihre Eltern und sie lebte bei ihrer Grossmutter. Gerade mal zwoelf Jahre alt, rannte sie von Zuhause weg und fiel in ein Leben voller Suende. Im Alter von zwanzig Jahren hoerte sie erstmals das Evangelium von Jesus Christus. Sie glaubte an den Herrn und wurde errettet. 1941 trat sie dem Nordwest Bibel Institut bei. Drei Jahre spaeter, 1944,  nahm Li an einem Kurzeinsatz in Lanzhou in der Provinz Gansu, teil wo sie die mitleiderregende Not des tibetischen Volkes erlebte.

 Nachdem sie zur Bibelschule zurueckgekehrt war, empfand Li Chin Chuan, dass „der Herr ploetzlich mein Herz beruehrte und ich das erbaermliche Elend des tibetischen Volkes sehen konnte. Damals hatte ich noch nicht den Mut, Gottes Ruf zu beantworten, aber nach der Rueckkehr von Lanzhou stand der Aufruf bestaendig vor mir, und ich konnte nichts anderes tun, als diese Herausforderung von Gott zu akzeptieren... Der Herr legte die Last Tibets auf mein Herz – pflanzte sie tief in mein Herz hinein.“ 14

 Im Maerz 1947 schloss sie sich den anderen Zurueck nach Jerusalem Missionaren an und steuerte westwaerts.

 

 Grace Ho und Li Chin Chuan vor ihrem Lehmhaus bei Tulan, dem Ausgangspunkt fuer die Zurueck nach Jerusalem Arbeiter 1947. Heute ist Tulan als Verwaltungsbezirk Ulan in der Provinz Quinghai bekannt.

 

Eine andere Schluesselfigur der urspruenglichen Formation des Zurueck nach Jerusalem Teams war Helen Bailey, eine amerikanische Missionarin der Presbyter, die bereits ein Viertel Jahrhundert in China gelebt hatte. Sie wohnte auf dem Gelaende des Nordwest Bibel Institutes und wurde von Studenten und Lehrern innig geliebt. Sie hegte und pflegte die Vision, die Gott den jungen chinesischen Maennern und Frauen gegeben hatte, und als diese Helen Bailey einluden, dem Zurueck nach Jerusalem Team beizutreten, lehnte sie wohlweislich ab, wissend, dass es in erster

Linie ein Ruf an die chinesische Kirche war und deshalb eine einheimische Bewegung bleiben sollte.

Christen in ganz China waren begeistert ueber die bevorstehende Abreise des Zurueck nach Jerusalem Teams. Viele Beter rangen um den Erfolg des Wagnisses und den Schutz derer, die einbezogen waren. Bischof F. Houghton fasste den Eindruck, den der Glaube dieser jungen Pioniere in den Kirchen hinterliess, wie folgt zusammen: 

            „Die Kirche in China wurde durch den Vormarsch einer Gruppe chinesischer

Mitstreiter des Nordwest Bibel Institutes wachgeruettelt. Von einer vorlaeufigen Basis bei Xining aus planen sie vorwaerts gen Xinjiang zu ziehen, und von dort aus schliesslich das Evangelium durch Zentralasien „zurueck nach Jerusalem“ zu tragen. In ihrer gluehenden Auslieferung an Seinen Willen, tragen sie die Zeichen eines goettlichen Rufes, doch gleichsam in einer einfuehlsamen, praktischen Einstellung, welche an die eines Hudson Taylors erinnert.“ 15  

Diese sieben mit Glauben erfuellten Pioniere marschierten vorwaerts in den Nordwesten nach Xining, der heutigen Hauptstadt der Provinz Qinghai. Dort wurden sie von Pastor Su betreut, der die Gruppe ermutigte, die geistliche Not Xinings zu beruecksichtigen und zu bleiben, um fuer eine Weile arabisch zu studieren. Die Gruppe fuehlte, dass dieses Opfer nicht Gottes Willen fuer sie entsprach und ihr Wunsch, weiter westwaerts nach Xinjiang zu ziehen, hielt unvermindert an. Nach einer Tagesreise erreichten sie Huangyuan. Von dort setzte Mecca Chao die 429 Kilometer weite Strecke nach Tulan (heute Ulan) in der Provinz Qinghai alleine fort, um den Weg fuer den Rest des folgenden Teams vorzubereiten. Tulan galt als letzter Aussenposten der chinesischen Zivilisation. Ebenso war es ein Kommunikationsdrehkreuz, durch welches die Karawanen aus Zentralasien reisten, und wurde somit strategischer Ausgangspunkt fuer die Gruppe, wo sie begannen, einige der Sprachen zu lernen, die von zentralasiatischen Muslimen gesprochen wurden. 

Mekka Chao reiste diese schwierigen Kilometer auf dem Pferderuecken. Er litt fuerchterlich unter Nervenschmerzen und berichtete, dass in einer Stadt, in der er anhielt, er sich

„sehr jaemmerlich fuehlte und gerade noch in der Lage war, in eine Schule und eine Apotheke zu gehen und ein bisschen mit dem Lehrer und dem Apotheker ueber das Evangelium zu reden.“ 16 

Die Schwierigkeiten dieser Reise durch Gebiete, die durch mordende Banditen unsicher gemacht wurden, koennen aus seinem Brief an Mark Ma ersehen werden. Nachdem er seine Ankunft mitteilte, schrieb Mekka Chao: „Hier etwas Wichtiges zuvor: Lasst auf gar keinen Fall irgendjemand diesen Weg ohne sehr klare und eindeutige Anweisung des Herrn gehen.“ 

Einige der Gruende fuer Mekkas Empfehlung koennen in seinen Reisebeschreibungen gefunden werden... 

„Allein der Gedanke an die Schwierigkeiten und Gefahren dieses Weges reichen aus, um dir die Haare zu Berge stehen zu lassen. Entlang des Weges

befinden sich die Weidegruende fuer das Vieh der wilden Tibetaner, Mongolen

und Muslime, die in Zelten wohnen. Es gibt keine Rasthaeuser. Es gibt Steppen, bedeckt mit mannshohem Gras, rudelweise wilde Tiere, Menschenfressende tibetische Hunde und mordende Banditen... 

            Am Wegesrand lagen viele Leichen solcher, die verhungert waren oder

            getoetet wurden... Jede Nacht schaute ich vorsichtig, ob niemand zu sehen

war, um dann ganz leise ins dichte Gras zu verschwinden, um von der Strasse aus nicht gesehen zu werden. Dort nahm ich den Packen vom Pferd und schlief unter freiem Himmel. Aus Angst, Raeuber anzuziehen, traute ich mich nicht, das geringste Geraeusch zu machen. Manchmal hoerte ich Schuesse aus Richtung Strasse, aber ich war recht ruhig, und in der Tat, wir begegneten keiner Gefahr. Alle Reisenden trugen Waffen; meine Waffe war Gebet... Gott liess mich die Kraft eines Halleluja-Rufes erproben, mit dem Raeuber und wilde Bestien in die Flucht geschlagen und jeglicher Schwierigkeit begegnet wurde.“ 17 

Einige Monate spaeter drang der Rest des Zurueck nach Jerusalem Teams nach Westen vor, um Mekka Chao in Tulan zu reffen. Es war ausgemacht, dass... 

„einige der Mannschaft in Tulan eine Station aufbauen sollten, welche das letzte verbindende Glied zwischen der chinesischen Heimatgemeinde und dem neuen Missionsfeld sein sollte. Deshalb entschieden sie, dass eine kleine Mitarbeiterschar zuerst loszog, um den Weg fuer andere, die folgen sollten, zu bahnen, denn eine zu grosse Gruppe wuerde den Verdacht der Bewohner der Gebiete auf sich ziehen, durch die sie marschieren wuerden. Waehrend sie auf Regierungserlaubnis und Reisedokumente warteten, beschaeftigten sie sich mit den Erkundigungen ueber Reiserouten, die wirtschaftlichste Art zu reisen und die Braeuche der Voelker, denen sie begegnen wuerden. Gleichzeitig aber teilten sie sich in Evangelistengruppen auf und gingen predigen.“ 18 

Nachdem sie herausgefunden hatten, dass Kamelreisen am billigsten und weit weniger gefaehrlich als Busreisen war, einigten sie sich darauf, Kamele fuer die Mannschaft zu kaufen. Die Einheimischen fanden die Ansicht chinesischer Prediger, Kamele zu kaufen lustig, und so verzoegerte sich die Abreise der Schar um zwei Wochen, die sie fuer die Preisverhandlungen mit den ansaessigen Muslimen benoetigten.

Ende Juli 1947 starteten sie ihre lange Reise westwaerts. Sie eilten zuegig voran, bevor die kurzen Sommermonate in diesem Teil der Welt endeten und die Schneefaelle des Winters ihr Vorwaertskommen unmoeglich machten. Die erste Neunzig-Meilen-Etappe durch ueberschwemmte Suempfe und ueber hohe Berge kostete sie sechs Tage. Als sie schliesslich die Grenze bei Xinjiang erreichten, wurden sie einige Tage aufgehalten, waehrend ihre Paesse durch die Grenzbehoerden beglaubigt wurden. Schliesslich wurde Erlaubnis erteilt und die kleine Schar Evangeliumskrieger ging hinueber in die „Hoehle des Loewen.“ 

Die Vision, die Gott Mark Ma, Mekka Chao und anderen einst gab, hatte sich endlich erfuellt und chinesische Missionare, die das Feuer des Evangeliums im Herzen trugen, waren auf dem Weg in die islamische Welt.

Die naechsten Monate reisten sie durch unfruchtbare Wuesten in denen es nur spaerliche Anzeichen menschlicher Zivilisation gab. Es gab nur hier und da ein kleines Doerfchen. Hunderte Reisende waren in dieser Region umgekommen, ihre Kehlen durchschnitten und ihrer Gueter durch ruchlose Banditen beraubt. Sich jeder Zeit der Bewahrung Gottes bewusst, trieb es die Missionare vorwaerts. Eine der schwierigsten Pruefungen fuer die Gruppe war der Mangel an Trinkwasser. Wo immer sie konnten, fuellten sie ihre Behaelter, aber zwischen den Moeglichkeiten zum Auffuellen vergingen oft viele Tage.

Dann geschah das Unglueck.

 

Eine Vision verspaetet sich

Nachdem sie einen Monat in die Wuesten von Xinjiang hineinmarschiert waren, wurde der Zurueck nach Jerusalem Kamelzug durch Regierungsbeamte gestoppt und sie wurden darueber informiert, dass die Erlaubnis zur Weiterreise wegen neuer politischer Entwicklungen in der Region zurueckgezogen sei. Sie wurden aufgefordert, sofort nach China zurueckzukehren. Trotz Bitten und Flehen lehnten die Beamten jegliches Ansinnen mit dem Argument ab, es waere unsicher und unweise fuer eine  Gruppe Jugendlicher -  die meisten von ihnen Frauen - durch die Taklimakan-Wueste zu ziehen. „Taklimakan“ ist ein Wort der uygurischen Sprache. Frei uebersetzt bedeutet es “viele gehen hinein, wenige kommen heraus“. Helen Taylor bemerkt: „Da keinerlei Ueberredungskunst die Beamten ueberzeugen konnte, dass ihre Mission keine politische sei und sie keinerlei Angst vor den Gefahren des Weges haetten, war es notwendig fuer sie, ihre Schritte wieder zurueck nach Qinghai zu lenken.“19 

Nach viel Gebet entschieden sie, den Winter in Qinghai abzuwarten, damit beschaeftigt, auf des Meisters Stimme zu hoeren, nach der sie es versuchen wuerden, ueber eine andere Route nach Xinjiang hinein zu kommen. Sie fuhren mit ihrer evangelistischen Arbeit fort und erlebten, dass viele fuer den Herrn gewonnen wurden.

Waehrend sie so darauf warteten, dass die Tuer nach Xinjiang sich wieder oeffnen wuerde, kam der Kommunismus in China an die Macht und bald danach fiel ein Schleier der Stille ueber China. Alle auslaendischen Missionare wurden des Landes verwiesen und jegliche Kommunikation kam zum Stillstand. Jahrzehntelang wussten Glaeubige im Westen nichts darueber, was mit den Missionaren des Zurueck nach Jerusalem Teams geschehen war.

Das neue Regime startete einen systematischen Plan, um die Kirche zu vernichten und Glaeubige wie Mark Ma, Mekka Chao und Ho Eu Chang gingen in den Untergrund. Als aus Monaten der Verfolgung und Not Jahre, aus Jahren sogar Jahrzehnte

wurden, begann die Vision des Zurueck nach Jerusalem Teams zu verblassen. Alles schien verloren. Wie die Kinder Israel, die so nahe an das verheissene Land herangekommen waren, dass sie es mit ihren Augen sehen konnten, wurde die Zurueck nach Jerusalem Vision gegen Ende der Vierziger und Anfang der Fuenfziger Jahre zurueck in die Wueste genommen, um auf eine Zeit zu warten, in der die Arbeiter besser zugeruestet sein wuerden, die grosse Aufgabe, die vor ihnen lag, anzupacken.

Menschlich gesehen versagte das evangelistische Zurueck nach Jerusalem Team.       Aber Gott kannte die Hingabe seiner jungen Kinder und wies die Reinheit ihrer Bindung an ihn nicht zurueck. Wenngleich die Vision fuer eine Zeit begraben war, verloren ging sie nicht.

Helen Taylor, deren Familie im Nordwest Bibel Institut ein Instrument der Ausbildung und Ermutigung fuer die Zurueck nach Jerusalem Arbeiter werden durfte, schrieb folgenden Gebetsaufruf, nachdem die Gruppe 1948 nach Qinghai zurueckgeschickt worden war:

„Wollen sie diesen jungen Menschen mit ihren Gebeten helfen? Die Maechte des Boesen in diesen dunklen Ecken der Erde, welche die Behausung von Grausamkeit und Gewalt sind, werden nicht leicht dem Licht des Evangeliums weichen. Aber durch Gebet werden wir die Betonmauern vor diesen geisterfuellten jungen Menschen wanken sehen, die unter dem Banner dessen, der niemals eine Schlacht verliert, weiter vorwaerts gehen werden. Wer wird sie im Gebet unterstuetzen?“ 20

Dieser Gebetsaufruf wird heutzutage tausende Male ueber ganz China hinweg wiederholt, waehrend eine neue Generation besser vorbereiteter Christen in den Fussstapfen folgt und die Vision des ersten evangelistischen Zurueck nach Jerusalem Teams erfuellt.

Koennte es sein, dass Gott es zuliess, dass erste Zurueck nach Jerusalem Bemuehungen vereitelt wurden, weil die chinesische Kirche damals noch nicht so weit war, in diesem grossen Ruf erfolgreich zu sein?

Was in den Vierzigerjahren wie eine Niederlage aussah, erwies sich als Gottes grosser Plan fuer die Gemeinde in China. Die Zurueck nach Jerusalem Vision wurde begraben und starb, aber nur, um viele Jahre spaeter – zu Gottes geplantem Zeitpunkt – wieder ins Leben zurueckzukehren.

Als die Vision erstmals in den Untergrund ging, zaehlte die Protestantische Kirche in China weniger als eine Million Mitglieder und die Zurueck nach Jerusalem Vision wurde nur durch eine sehr kleine Zahl von Einzelpersonen aufgegriffen. Wunderbarerweise zaehlt die chinesische Kirche fuenfzig Jahre spaeter etwa 70 bis 100 Millionen Mitglieder und ungezaehlte tausende Glaeubige beantworten den Zurueck nach Jerusalem Ruf.

„Die Weissagung wird ja noch erfuellt werden zu ihrer Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht truegen. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer; sie wird gewiss kommen und nicht ausbleiben.“ Habakuk 2,3

Anmerkung: Einige der Urmitglieder der Zurueck nach Jerusalem Gruppe leben immer noch. Sie haben mehr als ein halbes Jahrhundert der Heimsuchung im Feuer der Verfolgung ueberlebt. Eine der Frauen, nunmehr Ende Siebzig, wohnt im Herzen Xinjiangs, wo sie versucht, Muslime mit dem Evangelium zu erreichen.

Gott hat – wie immer – Seine Treue an Seinen Kindern erwiesen. 

Eine Karte Nordwestchinas, eingezeichnet die Hauptetappenpunkte des evangelistischen Zurueck nach Jerusalem Teams in den Vierzigerjahren

 

(13)          The Chinese Back-To-Jerusalem Evangelistic Band, Seite 14

(14)          Back to Jerusalem, Seite 10

(15)          Back to Jerusalem, Seite 1

(16)          Back to Jerusalem, Seite 14

(17)          J. Oswald Sanders, Seen and Heard in China, 1948, Seite 39

(18)          Alice Taylor, Back to Jerusalem Evangelistic Band, Seite 3

(19)          Alice Taylor, Back to Jerusalem Evangelistic Band, Seite 4

(20)          Alice Taylor, Back to Jerusalem Evangelistic Band, Seite 5

 

Die geistliche Nordwest-Bewegung (The Northwest Spiritual Movement), nachfolgend NSM genannt

„Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde faellt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren: und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben.“ Johannes 12, 24 – 25.

In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts berief Gott erstmals eine Gruppe, die die „Jesus-Familie“ genannt wurde, das Evangelium zu Fuss von China nach Jerusalem zurueckzubringen.

1921 durch einen Mann namens Jing Dianying in der Provinz Shandong gegruendet, glaubte die „Jesus-Familie“, dass ihre Mitglieder alle ihre Habe verkaufen und ihr Vermoegen unter den anderen Familienmitgliedern verteilen sollten. Ihr Fuenf-Worte-Slogan: „Opfer, Verzicht, Armut, Leiden, Tod“ fasste kurz ihre Hingabe an Christus und ihr Vorbild eines hingegebenen Lebens zusammen.

Waehrend sie von einem Ort zum anderen wanderten, waren Staedte und Doerfer die Ziele der „Jesus-Familie“, in denen sie das Evangelium predigten. Das Vorbild ihres gemeinschaftlichen Lebens und ihre tiefe christliche Liebe erstaunten viele Beobachter. Dies zog sowohl Heimatlose, als auch Verarmte und Verachtete an, die nach Antworten fuer ihr Leben suchten. Viele Blinde und Bettler schlossen sich der „Jesus-Familie“ an und fanden ewiges Leben in Christus.

Waehrend sie stetiges Wachstum erlebte, litt die „Jesus-Familie“ schreckliche Not. Oftmals, wenn diese mobile Gemeinschaft in eine neue Stadt zog, kam die gesamte Einwohnerschaft, um sie zu schlagen, zu verspotten und zu erniedrigen. Der Widerstand erschreckte sie aber nicht, und irgendwie gab es immer ein paar Menschen, die willig waren, alles was sie hatten zu verlassen, um Jesus nachzufolgen.

Die „Jesus-Familie“ war die erste, die die Zurueck nach Jerusalem Vision hatte. Waehrend sie zu Fuss China durchquerten, trugen ihre Mitarbeiter Koerbe mit Lebensmitteln und  anderen notwendigen Dingen. Ende der Vierzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts gab es etwa 20.000 chinesische Glaeubige, die – ueber ganz China verteilt – in mehr als 100 unterschiedlichen „Jesus-Familie“ Gruppen eingetragen waren. Dies ermoeglichte es ihnen, viele verschiedene Regionen mit dem Evangelium zu erreichen. Einige Glaeubige gingen in die Mandschurei, einige in die Innere Mongolei, andere nach Suedchina. Alle diese Gruppen verstanden sich selbst als Teil der Zurueck nach Jerusalem Vision. Im Gebet und auch praktisch unterstuetzten sie alle das Hauptevangelisten-Team, das zu Fuss westwaerts zu den muslimischen Nationen ging, um das Reich Gottes in allen Gebieten entlang des Weges aufzurichten.

Nach einiger Zeit schien es, als habe die „Jesus-Familie“ ihre Zurueck nach Jerusalem Vision verloren. Dies wahrscheinlich aufgrund der Tatsache, dass saemtliche Befugnisse auf nur einen Fuehrer uebertragen waren: Jing Dianying. Die Vision wurde weitgehend zentralisiert und war nicht die Vision der meisten der gewoehnlichen Glaeubigen.

Gegen Ende der Dreissigerjahre erweckte Gott eine neue Generation Glaeubige, die willig waren, im Gehorsam alles zu verlassen, um diesen Ruf Gottes erfuellt zu sehen. Sie sagten: „Lasst und aufstehen und das Kreuz zu den Nationen tragen, bei denen Gott noch nicht bekannt ist. Lasst uns im Namen Jesu vorwaerts gehen –  alles aufgeben was wir haben, falls erforderlich auch unsere Leben – damit Jesu Name unter allen Heiden verherrlicht werde.“

So wurde die NSM geboren. Die meisten der ersten Leiter dieser evangelistischen Gruppe sowie ihr Gruender Zhang Guquan, stammten aus der Provinz Shandong.

Die chinesischen Glaeubigen von heute interpretieren den Bruch zwischen der NSM  und der „Jesus Familie“ unterschiedlich. Einige sagen, die Trennung sei eine schlechte Sache gewesen, waehrend andere glauben, dass der Herr sie so fuehrte, da die Vision unter der Kontrolle der Fuehrer der „Jesus-Familie“ ins Stocken geraten war und ein neuer Start gemacht werden musste.

Die Strategie der NSM war einfach, im Glauben daran, dass Jesus bald zurueckkehren wuerde, das Evangelium zu predigen. Sie bauten keine Ortsgemeinden auf, sondern widmeten sich nur der Evangelisation und der Seelengewinnung. Doch Gott tat in seiner Gnade stets neue Glaeubige hinzu und es gab viel Frucht, die bis zum heutigen Tag anhaelt.

Man muss verstehen, dass dies keine grosse geistliche Armee war, die durch die Nation marschierte! Die Spitzenfuehrer dieser Vision zaehlten nur vier oder fuenf Personen plus ein paar Dutzend andere Mitarbeiter. Trotz ihrer geringen Zahl war die NSM effektiv, denn ihre Vision war zielgerichtet. Sie waren wie eine Pfeilspitze, waehrend die Neubekehrten, die sie zurueckliessen, den Schaft des Pfeils darstellten.

Sie gewannen Menschen fuer Christus unter vielen ethnischen Gruppen, so auch unter den moslemischen Uyguren, Hui und den Kasachen.

Neben den Bemuehungen der Zurueck nach Jerusalem Evangelisationsgruppe und der NSM, wurden in den Vierzigerjahren durch chinesische Kirchengruppen einige kleinere Initiativen gestartet. Einige gelangten so bis in tibetisches Gebiet, andere zu den Minderheiten Suedwestchinas, weitere in moslemische Regionen. Doch trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und Arbeitsweise schien es, dass diese Gruppen sich selbst als Teil einer groesseren Vision verstanden, die das Evangelium zurueck nach Jerusalem tragen sollte.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges aeusserte Phyllis Thompson, ein Mitarbeiter der China Inland Mission in Chongqing:

„Die Sache, die mich am meisten beeindruckte, war der merkwuerdige, seltsame Drang einer Anzahl unterschiedlicher chinesischer Gruppen, im Glauben vorwaerts preschend, das Evangelium westwaerts zu tragen. Ich weiss von mindestens fuenf verschiedenen Gruppen, die voellig unabhaengig voneinander ihr Zuhause und praktisch alles in Ostchina hinter sich liessen, um westwaerts zu ziehen. Einige sind in Xikang (heute Westsechuan), einige in Gansu, einige weit weg in der grossen Nordwestprovinz Xinjiang. Es scheint wie eine unaufhaltsame Bewegung des Geistes zu sein. Das Verblueffende daran ist, dass sie voneinander unabhaengig sind und in den meisten Faellen gar nichts voneinander zu wissen scheinen. Doch allesamt sind sie davon ueberzeugt, dass der Herr sie an die Westgrenzen geschickt hat, um das Evangelium zu predigen, und sie gehen mit einem starken Gefuehl der Dringlichkeit der Kuerze der Zeit und des nahen Bevorstehens der Wiederkunft des Herrn.“

In den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts erweckte der Herr einen Mann namens Simon Zhao, der zum Hauptfuehrer der zweiten Generation der Mitarbeiter in der Zurueck nach Jerusalem Bewegung wurde.

 

Simon Zhao

Auch wenn er ein relativ junger Mann von erst anfangs Dreissig war, wurde Simon Zhao zum Leiter fuer Predigt und Evangelisation des NSM berufen. In den Vierzigerjahren heiratete er eine junge Frau mit Namen Wen Muling, deren Vorfahren leitende Regierungsbeamte der Qing Dynastie gewesen waren. Zusammen leiteten sie eine kleine Gruppe, die sich langsam durch China zur Nordwestgrenze an die Sowjetunion vorarbeitete. Da es eine unruhige Zeit in der Geschichte Chinas war, mit Buergerkriegen und weitlaeufigen inneren Wirren, gewannen sie viele Soldaten fuer den Glauben an Christus. Die Gruppe legte ihren Weg von Shandong nach Xinjiang groesstenteils zu Fuss zurueck. Es gab aber Gegenden, wie z.B. die Wueste, wo keine Menschen lebten, und es unmoeglich war zu Fuss zu gehen, so dass sie hier andere Mittel und Wege finden mussten, sich fortzubewegen.

Als Simon Zhao ein kleiner Junge war, starb sein Vater, und seine Mutter war gezwungen, die Kinder allein grosszuziehen. Sie war eine bildhuebsche Frau. Zu verschiedenen Gelegenheiten kam der Dorffuehrer in ihr Haus und versuchte, sie zum Ehebruch zu verfuehren. Er brachte ihr teure Geschenke und wurde zunehmend frustriert, weil sie seinen Nachstellungen widerstand. Schliesslich hielt dieser boese Dorfbeamte ihren Widerstand nicht laenger aus und vergewaltigte sie.

Als der kleine Simon herausfand, was seiner geliebten Mutter geschehen war, entschloss er, sich an dem Dorfbeamten zu raechen. Simon erzaehlte seiner Mutter, dass er, wenn er gross sei, ein Bezirksbeamter werden wuerde, um Gerechtigkeit fuer die Qualen zu erwirken, die sie erlitten hatte. Seine Mutter antwortete: „Das bringt nichts. Die Bezirksbeamten sind genauso korrupt wie die boesen Dorfbeamten.“

„Dann werde ich eben etwas hoeheres als Bezirksbeamter“, begehrte Simon auf.

„Das bringt auch nichts. Die Provinzbeamten sind genauso korrupt wie die Bezirksbeamten“, antwortete seine Mutter.

„Dann werde ich eben ein noch hoeherer Beamter als die Provinzbeamten!“

„Nochmals, Sohn, es bringt nichts, sogar der Kaiser ist genauso.“

Veraergert und wuetend fragte Simon seine Mutter: „Wer dann ist maechtiger als der Kaiser? Wohin koennen wir uns dann wenden, um Gerechtigkeit zu erlangen?“

Seine Mutter antwortete: „Nur Gott kann Gerechtigkeit gewaehren, mein Sohn.“

„Dann werde ich eben ein Gott werden!“, schlussfolgerte der kleine, eifernde Junge.

Die Wunde in Simons Herz heilte nicht. Als er ein Teenager war, schlug er den Weg eines Schriftstellers ein. Er nutzte seine Faehigkeiten als Schreiber, und konnte sich somit zu einem gewisses Mass an dem Dorfbeamten raechen, indem er dessen Verbrechen in einer Lokalzeitung veroeffentlichte.

Jahre spaeter ergriff Gott Simons Leben, und er wollte nicht laenger an dem Mann, der seine Mutter vergewaltigt hatte, Rache ueben. Sein neues, weiches Herz aenderte seine Lebensziele. Alles, was er jetzt wollte, war, das Evangelium zu predigen und Gottes Herrlichkeit der gesamten Menschheit bekannt zu machen.

Simon Zhao (sein richtiger Name war Zhang Haizhen) wurde am 1.Juni 1918 geboren. Er kam urspruenglich aus Shenyang in der Provinz Liaoning in Nordostchina. Es geschah waehrend eines Gebetstreffens in Shenyang, als der Herr ihm erstmals eine Vision gab. Es war Winter und im Freien  sehr kalt. Die Glaeubigen beteten drinnen, aber draussen wuchsen die Schneewehen so hoch, dass die Tueren blockiert und sie nicht in der Lage waren, das Haus zu verlassen.

Als drei Glaeubige ueber der Karte Chinas beteten, richtete der Herr ihre Gedanken auf die Nordwestprovinz Xinjiang. Sie hielten ihre Haende ueber diesen Teil Chinas auf der Landkarte und beteten mit grosser Autoritaet. Vor diesem Tage hatten sie noch nie ernsthaft in Betracht gezogen, im entfernten Nordwesten Chinas zu dienen.

Spaeter ging Simon nach Nanjing, dort war es, dass er andere Christen traf, die genau die gleiche Vision von Gott empfangen hatten, das Evangelium nach Xinjiang und die Regionen dahinter zu bringen. Sie beschlossen, gemeinsam in die Ernte zu gehen. Die erste Gruppe war bereits losgezogen und arbeitete in Xinjiang. Simon Zhaos zweite Gruppe verliess Nanjing und reiste ueber die Shaanxiprovinz nach Xinjiang. Sie legten den Weg zu Fuss, auf Pferde- und Kamelruecken und gelegentlich mit Fahrzeugen zurueck. Spaeter, nach 1949, ging eine dritte Gruppe Richtung Xinjiang, diese wanderte nur zu Fuss. Der Leiter der dritten Gruppe war Zhu Congen aus Zibo in der Provinz Shandong.

Endlich erreichten sie Hami am oestlichen Ende von Xinjiang. Sie trafen sich mit Mitgliedern der NSM, die schon ein oder zwei Jahre frueher dort ankamen. Eifrig dabei, das Evangelium auf neuen Boden zu saeen, ging Simon im Winter 1950 mit fuenf Mitarbeitern zurueck nach Hetian, eine versteckte Oasenstadt im aeussersten Sueden von Xinjiang.

Aber zwei Wochen nach ihrer Ankunft befahl ihnen das oeffentliche Sicherheitsbuero die Stadt zu verlassen. So wurden sie gezwungen, weiter westwaerts nach Kashgar zu gehen, wo im September 1949 das Team in Shule eine Basis aufgebaut hatte. Im Januar 1950 gerieten sie in eine chaotische Situation.

Die Basis wurde von bewaffneten Soldaten uebernommen, die behaupteten, es haette ein  konterrevolutionaerer Vorfall statt gefunden. Onkel Simon wusste nicht, was er tun sollte. Innerhalb weniger Tage wurde er verhaftet und kam ins Gefaengnis.

Jedes Mitglied der Zurueck nach Jerusalem Bewegung wurde zu unterschiedlich langen Haftstrafen verurteilt. Den fuenf Spitzenfuehrern wurden extrem strenge Strafen auferlegt. Simon war der einzige dieser Leiter, der seine Haftstrafe ueberlebte. Zum Zeitpunkt ihrer Gefangennahme war Simons Frau schwanger und bald danach erlitt sie eine Fehlgeburt. 1959 starb sie im Frauengefaengnis, aber grausamerweise wurde es Simon bis 1973 nicht gesagt.

Waehrend der ersten Wochen und Monate im Arbeitslager des Kashgar Gefaengnisses versuchten die Waerter, Simon so weit zu bringen, dass er seinen Glauben verleugnen sollte. Sie mussten aber bald feststellen, dass das nicht funktionierte. Sie befahlen ihm, das Beten sein zu lassen und schlugen ihn jedes Mal, wenn sie ihn dabei vorfanden. Er hoerte nie auf zu beten, aber er lernte es, dies im Geheimen zu tun, wenn niemand ihn beobachtete.

Nach einiger Zeit dachten die Gefaengnisoberen, dass er sich wohl geaendert haben muesse, da sie ihn nicht mehr beten sahen. So befahlen sie dem frueheren Autor, eine Kolumne in der Gefaengniszeitung zu schreiben, in der er die transformierende Kraft des kommunistischen Systems verherrlichen sollte.

Er begann an einem Artikel zu arbeiten, was die Gefaengnisleitung ueberaus erfreute. Als sie aber sahen, was er geschrieben hatte, gerieten sie in Wut und realisierten, dass sie ausgetrickst worden waren. Sein Artikel bestand naemlich aus einem Gedicht ueber die Schoenheit Jesu und einer Skizze des Kreuzes.

Die Gefaengniswaerter schlugen ihn, indem sie eine schwere Holzbank auf seinen Ruecken knallten. Sie traten und pruegelten ihn gnadenlos. Die oertlichen Behoerden bestraften ihn, indem sie seine Gefaengnisstrafe um viele Jahre verlaengerten. Simon wurde zum Arbeitslager einer Kohlenmine gebracht, wo die meisten Insassen innerhalb der ersten sechs Monate an den unmenschlichen Bedingungen und der moerderischen Arbeit starben. Taeglich wurde er gezwungen, tonnenweise Kohle zu foerdern – eine Buerde, die menschlich gesehen fuer einen solch kleinen und zerbrechlichen Mann unmoeglich war. Er musste die Kohle nicht nur abbauen, sondern auch in einem auf seinen Ruecken gebundenen Korb von der Mine wegtragen.

Alle Gefangenen wurden gezwungen, vierzehn Stunden pro Tag, sieben Tage in der Woche zu arbeiten. Das Essen war kaerglich und ranzig; die Sommermonate wurden bei grosser Hitze arbeitend verbracht, und es folgten harte Winter mit Temperaturen weit unter Null.

Simon Zhao wurde zu einem lebendigen Wunder der durchtragenden Kraft Gottes. Hunderte Mitgefangene – die meisten physisch staerker als Simon – kamen zum Kohlenbergwerk, nur um innerhalb der ersten Monate nach ihrer Ankunft zu sterben. Jahrelang bezeugte Simon seinen Glauben ganz diskret vielen seiner Mitgefangenen, und einige glaubten auch. Ausser ihm gab es noch wenige andere christliche Pastoren im Lager, aber die Gefaengnisleitung legte diese in separate Zellen und Arbeitseinheiten und erlaubte Simon nur fluechtige Kontakte mit ihnen. In all den Jahren, in denen er in Einzelhaft verblieb, war es Simon nicht erlaubt, irgendwelche Besuche zu empfangen. In seinem Herzen wusste er, dass sich hier in dieser weit entfernten moslemischen Grenzstadt, tausende Kilometer weg von seiner Heimat, sowieso niemand mehr an ihn erinnerte.

Abgesehen von der treuen Gegenwart seines Herrn, der zugesagt hatte, ihn „nie zu verlassen, noch zu versaeumen“, fuehlte sich Simon total alleine und von Menschen verlassen. Weit weg in seiner Heimatprovinz Liaoning, auf der entgegengesetzten Seite des Landes, wussten seine Verwandten nicht, ob er noch lebte oder bereits tot war, und als aus den Jahren der Ungewissheit Jahrzehnte wurden, gedachten nur noch wenige Leute seiner oder beteten fuer ihn.

Die Zurueck nach Jerusalem Vision ging verloren. Die Saat war gestorben.

Spaeter erinnerte sich Simon wieder daran, wie er waehrend dieser harten Jahre im Arbeitslager des Gefaengnisses zu den Sternen emporblickte und an die Vision dachte,  die Gott ihm und seinen Mitarbeitern gegeben hatte, naemlich das Evangelium zu Fuss zurueck nach Jerusalem zu tragen. Er hatte davon gehoert, dass seine Frau und das ungeborene Kind tot waren, aber er wusste nichts darueber, wie es seinen geliebten Mitarbeitern ergangen war.

Innerlich verlor Simon Zhao das Feuer und die Leidenschaft fuer die Zurueck nach Jerusalem Vision, aber er verleugnete nie den Herrn Jesus Christus, der ihm diese Vision gegeben hatte.

In den ersten Jahren seiner Gefangenschaft, wenn die Wachen und seine Mitgefangenen ihn nicht beobachteten, betete Simon oft: „Herr, ich werde nie mehr in der Lage sein, nach Jerusalem zu gehen, aber ich bete, dass du eine neue Generation chinesischer Glaeubige aufstehen laesst, die diese Vision erfuellen wird.“

Nach vielen Leidensjahren im Kohlebergwerk war Simon halb tot, und die Gefaengnisoberen brachten ihn in eine Chemiefabrik in einer anderen Gegend von Xinjiang. Obwohl diese Fabrik ein Handelsgewerbe war, benutzten sie die Gefangenen als Hauptquelle ihrer Arbeitskraeftebeschaffung.

Den neuen Arbeitsplatz konnte man kaum als Befoerderung bezeichnen, denn Simon war taeglich toxischen Gasen und anderen giftigen Chemikalien ausgesetzt. Jeden Abend nach der Arbeit wurde er zum Gefaengnis zurueckgebracht. Die Schlaege gingen weiter, jedoch jetzt mehr seitens der Mitgefangenen als durch die Gefaengniswachen. Diese hatten sich einen Plan ausgedacht, wie sie die Gefangenen dazu bringen konnten, ihre Frustrationen aneinander auszulassen, in dem sie solche belohnten, die andere bei ihnen meldeten. Als verhasster Christ, den die Leiter nie zu brechen in der Lage waren, war Simon Zhao ein speziell leichtes Ziel fuer die brutalen Maenner.

Dennoch beschuetzte Gott weiterhin sein Kind. Einmal, mitten in einem harten Winter, verweigerten seine Zellengenossen Simon, in ihrem geheizten Zellenblock zu bleiben. Sie zogen ihn bis auf die Unterwaesche aus und zwangen ihn, draussen in Schnee und  Eiseskaelte zu stehen. Als sie ihn aus der Tuer stiessen, verspotteten sie ihn mit den Worten: „Du glaubst doch an deinen Gott, warum betest du nicht zu ihm und bittest ihn, dich warm zu halten!“

In den ersten Minuten schnitt der kalte Wind rasierklingenscharf in sein Fleisch. Simon schrie zum Herrn um Gnade. Sofort geschah etwas Erstaunliches. Er fuehlte eine enorme Waerme ueber sich kommen, und zwar so sehr, dass bald darauf Schweisstropfen von seinem Koerper tropften, wie wenn er sich in einer Sauna entspannen wuerde! Von der Waerme, die von seinem Koerper abstrahlte, begann der Schnee um seine Fuesse weg zu schmelzen. Er rief nach seinen Zellengenossen im Inneren und als diese aus dem Fenster blickten, trauten sie ihren Augen nicht, als sie Zeuge davon wurden, dass Dampf an seinem Koerper aufstieg!

Bei vielen anderen Gelegenheiten geschahen keine solch dramatischen Wunder und er litt schrecklich. Hunderte Male wurde er erbarmungslos geschlagen. Die Mehrheit der Gefangenen waren ethnisch gesehen Uyguren, das vorherrschende muslimische Volk in Xinjiang. Die uygurischen Gefangenen waren besonders grausam zu Simon, weil er ein verhasster chinesischer „Schweinefresser“ war. Spaeter beschrieb er die Art, wie die Uyguren ihn schlugen als „die Art, wie sie eine Ziege einkreisten und sich auf sie stuerzten, bevor sie sie toeteten.“

Einmal wurde er so ernsthaft geschlagen und getreten, dass er einen Schaedelbruch erlitt und bewusstlos zu Boden fiel. Waehrend dieser Bewusstlosigkeit hatte er eine Vision, in welcher der Herr liebevoll zu ihm sprach: „Mein Kind, ich bin mit dir. Ich werde dich niemals vergessen noch dich im Stich lassen.“ In diesem Moment erlangte er das Bewusstsein wieder, aber er wusste nicht, wie lange er weg war. Er war benommen und unsicher, wo er sich befand. Er beruehrte seinen Kopf dort, wo sein Schaedel aufgeschlagen war und entdeckte, dass die Wunde auf wunderbare Weise zugeheilt war, obwohl sich noch trockenes Blut an der Stelle befand.

Simon Zhao wurde im Gefaengnis waehrend der 31 Jahre die meiste Zeit geschlagen. Nur die letzten paar Jahre, als er bereits ein aelterer Mann um die sechzig war, wurde er nicht mehr koerperlichen Torturen ausgesetzt.

Waehrend dieser langen Jahre hinter Gittern schrieb er dieses Gedicht: 

            Erleben will ich dieselben Schmerzen, dieselbe Pein, die Jesus am Kreuze litt.

            Den Speer in seiner Seite, den Schmerz im Herzen sein,

besser ich trage die Schmerzen der Fesseln an meinen Fuessen mit,

            als auf Pharaos Wagen durch Aegypten zu reiten allein.

Eines Tages im Jahre 1981 befahl der Gefaengnisdirektor Simon ins Hauptbuero. Ein wenig besorgt lief er den Korridor entlang und fragte sich, ob er es wohl fertig gebracht hatte, sich selbst in noch mehr Schwierigkeiten zu bringen. Er hoffte nicht, dass etwas geschehen war, das seine Strapazen verlaengern wuerde.

Der Gefaengnisdirektor lud Simon ein, sich hinzusetzen und wuehlte in einem dicken Aktenberg, waehrend er an seiner Zigarette zog. Schliesslich, nach einer Minute des Schweigens, sprach er: „Die Regierung der Volksrepublik China hat sich entschlossen, gnaedig zu sein und ihnen Nachsicht fuer die Missetaten zu erweisen, die sie gegen unser Volk begangen haben. Ich wurde ermaechtigt, sie zu entlassen. Sie sind frei und koennen gehen.“

Benommen und starr schlurfte der Mann Gottes zurueck in seine Zelle. Niemals hatte er erwartet, dass dieser Tag kommen wuerde.

 

 Simon Zhao nach seiner Feilassung nach 31 Jahren Gefaengnis

 

Als er 1950 verhaftet wurde, stand er am Beginn seines Lebens, ein Mann anfangs Dreissig und voller Tatendrang. Seine junge, huebsche Frau, erwartete ihr erstes Kind. Gott hatte sie gerufen, das Evangelium zurueck nach Jerusalem zu bringen und trotz  Gefahren und vielen Herausforderungen war sein Leben aufregend und spannend gewesen. 31 Jahre spaeter war er zwischen 60 und 70 Jahre alt, mit weissen Haaren und einem langen, weissen Bart.

China hatte sich waehrend dieser Zeit total veraendert. Simon hatte die gesamte Regierungszeit  Mao Zedongs, einschliesslich dessen Tod 1976, nicht mitbekommen. Er hatte die irrsinnige Kulturrevolution von 1966 bis 1976 verpasst, als Millionen Menschen durch die fanatische Rote Armee getoetet wurden.  Jetzt war er ein alter Mann ohne Kraft. Durch die jahrzehntelangen Pruegel, Peinigungen und die harte Arbeit war sein Koerper kaputt, und sein Gesicht war von tiefen Furchen gezeichnet, die den Existenzkampf von ueber drei Jahrzehnten in der Hoehle des Loewen zeigten.

In ganz China gab es niemanden, der auf ihn wartete. Jeder, den er vor vierzig Jahren gekannt hatte, war entweder gestorben oder hatte ihn schon lange vergessen. Er schaffte es, bis nach Kasghar-Stadt zu gelangen, wo er ein kleines Zimmer zum Wohnen fand. Er hatte keine Ahnung, was er tun sollte. Monatelang verweilte er in Schweigen, ausser den taeglichen Gebeten der Danksagung zu dem Koenig der Koenige und Herrn der Herren, der sein Versprechen eingehalten und ihn waehrend all‘ dieser leidvollen Jahre niemals im Stich gelassen hatte.

Simon wusste, ohne Jesus Christus wuerde er tausend Tode gestorben sein. Der lebendige Christus hatte ihn lebend und wohlauf erhalten und ihm geholfen, niemals

seinen Glauben an Gott zu verleugnen. Simon wusste, dass – egal wie einsam ein

Mensch auf dieser Welt auch ist – Jesus wird immer da sein als

„ein Freund, der anhaenglicher ist, als ein Bruder.“ Sprueche 18,24.

Nach einiger Zeit erfuhren Christen aus der Gegend Kashgars von Simon Zhao und hoerten sein Zeugnis. Aus Ehrfurcht vor ihm brachten sie dem alten Heiligen Nahrung und eine Bibel und halfen ihm, wo sie nur konnten.

Die Nachricht von Simon lief von Gemeinde zu Gemeinde in Xinjiang, und bald war die Botschaft auch in die anderen Teile Chinas gedrungen, dass ein wundersamer Mann durch die Kraft Gottes 31 Jahre Gefangenschaft um des Evangeliums willen hindurch getragen worden war.

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Ende der Sechziger Jahre goss Gott seinen Geist ueber der Provinz Henan aus und Millionen Menschen erlebten dort Errettung. Henan wurde als das Zentrum der Erweckung bekannt und erhielt den Spitznamen „das Galilaea Chinas“ – der Ort, wo die Juenger Jesu herkamen.

Viele Hauskirchenleiter in Henan hatten in den Vierzigerjahren von den urspruenglichen Zurueck nach Jerusalem Mitarbeitern gehoert. Unser Wissen ueber Einzelheiten jener ersten Mitarbeiter war recht verschwommen, aber als wir hoerten, dass einer der Hauptfuehrer nunmehr aus dem Gefaengnis gekommen war, waren wir neugierig, ihn zu treffen und von ihm zu lernen.

Einige unserer Mitarbeiter dienten in Kashgar. Sie trafen Simon Zhao und sandten uns Briefe, die uns ueber seine Geschichte informierten. Unsere Gemeindeglieder in Kashgar liebten ihn wie ihren eigenen Vater. Sie erfreuten sich sehr enger Gemeinschaft mit „Onkel Simon“. Jahrzehnte war er der Verbindung zu Glaeubigen beraubt gewesen, und jetzt gab ihm der Herr geistliche Soehne und Toechter, die ihn tief respektierten. Die Frauen der Gemeinde kochten fuer ihn, wuschen seine Kleider und halfen ihm, wo sie nur konnten. Sie behandelten ihn so, wie sie einen Engel behandeln wuerden. 

Schliesslich reiste eine Gruppe von Hauskirchenleitern mit Zuegen und per Bus durch ganz China, weil wir spuerten, dass wir Simon Zhao selbst treffen mussten. Wir stellten fest, dass er ein gebrochener, demuetiger Diener Gottes war. 

Damals gaben wir eine Zeitschrift heraus, die Glaeubige ermutigen sollte. Onkel Simon war nicht bereit, einige Artikel zu schreiben oder sein Zeugnis mitzuteilen. Wir versuchten, ihm zu zeigen, dass die jetzige Generation chinesischer Glaeubige es noetig hatte zu erfahren, wie Gott ihn durch so viele Jahre des Leidens gefuehrt hatte. Er lehnte unsere Angebote immer hoeflich ab und sagte einfach: „Ich moechte keinerlei Aufmerksamkeit auf mich lenken.“